Was sind Crypto-Lending-Plattformen?
Crypto-Lending-Plattformen ermöglichen es, Kryptowährungen gegen Sicherheiten zu leihen oder durch das Verleihen eigener Vermögenswerte Rendite zu erzielen. Wir erklären den Unterschied zwischen CeFi- und DeFi-Modellen, woher die Rendite kommt und welche Risiken bestehen.
Inhaltsverzeichnis:
Was ist Crypto-Lending?
Crypto-Lending (das Verleihen von Kryptowährungen) ist ein Service, bei dem einige Nutzer ihre Kryptowerte verleihen, während andere sie gegen Sicherheiten und Zinsen leihen.
Die Plattform tritt dabei als Vermittler auf: entweder ein zentralisiertes Unternehmen oder ein dezentrales Protokoll, das über Smart Contracts funktioniert.
Das Modell erinnert an das klassische Bankwesen, allerdings mit einigen wesentlichen Unterschieden. Die Sicherheiten bestehen meist ebenfalls aus Kryptowährungen, die Abläufe sind weitgehend automatisiert, und einen Schutz, wie er für Bankeinlagen gilt, gibt es in der Regel nicht.
Gerade deshalb ist es wichtig zu verstehen, wie diese Plattformen funktionieren, bevor man ihnen sein Vermögen anvertraut.
Wie Crypto-Lending funktioniert
Auf einer Lending-Plattform gibt es zwei Seiten. Kreditgeber hinterlegen Kryptowerte (häufig Stablecoins wie USDC oder Kryptowährungen wie ETH) und erhalten dafür Zinsen. Kreditnehmer hinterlegen Sicherheiten und leihen sich auf dieser Grundlage andere Vermögenswerte.
Die meisten Krypto-Kredite sind überbesichert: Der Wert der Sicherheiten ist höher als der Wert des Kredits. Dieses Verhältnis wird als LTV (Loan-to-Value) angegeben. Beispiel: Bei Sicherheiten im Wert von 10.000 Euro und einem LTV von 50 % kann ein Nutzer höchstens 5.000 Euro leihen.
Warum sollte jemand einen Kredit aufnehmen, dessen Sicherheiten mehr wert sind als der Kreditbetrag? Die häufigsten Gründe sind:
- Zugang zu Liquidität, ohne Kryptowährungen verkaufen zu müssen, die man behalten möchte
- Finanzierung von Trading-Strategien, einschließlich des Einsatzes von Hebelwirkung
- Liquiditätsmanagement für Unternehmen und Market Maker
Fällt der Wert der Sicherheiten und überschreitet der LTV die Liquidationsschwelle, verkauft die Plattform automatisch einen Teil oder die gesamten Sicherheiten, um den Kredit zu decken. Mehr dazu im Abschnitt über die Risiken.
CeFi- und DeFi-Lending-Plattformen
Lending-Plattformen lassen sich in zwei Hauptgruppen einteilen. Der Unterschied liegt darin, wer die Vermögenswerte verwahrt und wer die Entscheidungen trifft.
Bekannte Beispiele für DeFi-Protokolle sind Aave, Compound und Sky (früher MakerDAO). Auf der CeFi-Seite haben viele Plattformen nach 2022 ihren Betrieb eingestellt, mehr dazu weiter unten.
eines der beiden Modelle ist risikofrei. Der Unterschied liegt darin, wem der Nutzer vertraut: einem Unternehmen oder dem Code.
Woher die Rendite kommt
Die Rendite, die ein Kreditgeber erzielt, stammt aus den Zinsen, die Kreditnehmer zahlen, abzüglich der Plattformgebühr. Ist die Nachfrage nach Krediten gering, fällt auch die Rendite gering aus.
In DeFi-Protokollen hängt der Zinssatz meist von der Auslastungsquote ab, also vom Anteil der hinterlegten Mittel, der gerade verliehen ist. Bei hoher Auslastung steigen die Zinsen, um neue Kreditgeber anzuziehen und Kreditnehmer zur Rückzahlung zu bewegen. Deshalb können sich die Zinssätze von Stunde zu Stunde ändern.
CeFi-Plattformen legten ihre Zinssätze in der Regel selbst fest und erwirtschafteten einen Teil der Rendite, indem sie die Mittel der Nutzer in eigene Strategien investierten. Genau das war in der Vergangenheit die Ursache ernsthafter Probleme.
Eine nützliche Faustregel: Liegt die angebotene Rendite deutlich über dem Marktniveau, lohnt es sich zu fragen, woher sie tatsächlich stammt und wer das Risiko trägt.
Hauptrisiken
Crypto-Lending birgt mehrere Arten von Risiken, die man unterscheiden sollte.
Liquidationsrisiko
Bei einem starken Kursrückgang können die Sicherheiten automatisch und gegen eine zusätzliche Gebühr verkauft werden, wodurch der Kreditnehmer einen Teil seines Vermögens verliert.
Kontrahentenrisiko
Bei CeFi-Plattformen ist der Nutzer von der Zahlungsfähigkeit und Integrität des Unternehmens abhängig, das sein Vermögen verwahrt.
Smart-Contract-Risiko
Ein Fehler im Code oder eine Schwachstelle im Oracle (der Preisquelle) kann zum Verlust von Mitteln in einem DeFi-Protokoll führen.
Liquiditätsrisiko
Wenn der Großteil der Mittel verliehen ist, kann ein Kreditgeber sein Vermögen möglicherweise nicht sofort abziehen.
Stablecoin-Risiko
Verliert ein Stablecoin seine Bindung an den US-Dollar oder den Euro, ändert sich der tatsächliche Wert sowohl des Kredits als auch der Rendite.
Lehren aus dem Jahr 2022
Im Laufe des Jahres 2022 stoppten mehrere große CeFi-Lending-Plattformen, darunter Celsius, Voyager und BlockFi, die Auszahlungen und leiteten Insolvenzverfahren ein. Anfang 2023 folgte auch Genesis. Der gemeinsame Nenner war ähnlich: Die Mittel der Nutzer wurden in riskante Strategien investiert oder ohne ausreichende Absicherung verliehen, und die Nutzer hatten darüber keinen klaren Überblick.
Diese Ereignisse haben gezeigt, dass hohe Renditen ohne Transparenz erhebliche Risiken verbergen können, und sie haben die regulatorischen Diskussionen in der EU und darüber hinaus beschleunigt.
Worauf Sie achten sollten
Bevor Sie Kryptowerte hinterlegen oder leihen, lohnt es sich, einige Punkte zu prüfen:
- Wer verwahrt die Vermögenswerte? Prüfen Sie bei CeFi-Plattformen, ob die Vermögenswerte der Nutzer getrennt vom Unternehmensvermögen verwahrt werden und ob das Unternehmen sie weiterverleihen darf.
- Ist die Plattform lizenziert? Prüfen Sie, ob der Dienstleister über eine Zulassung verfügt und bei welcher Aufsichtsbehörde er registriert ist.
- Wie hoch sind LTV und Liquidationsschwelle? Informieren Sie sich im Voraus, bei welchem Kurs die Sicherheiten verkauft werden und wie hoch die Liquidationsgebühren sind.
- Wurde der Code geprüft? Prüfen Sie bei DeFi-Protokollen, ob unabhängige Audits der Smart Contracts vorliegen und wie lange das Protokoll bereits ohne Zwischenfälle läuft.
- Woher kommt die Rendite? Wenn die Plattform das nicht klar erklärt, ist das bereits ein Warnsignal.
- Wie schnell können Sie Ihre Mittel abziehen? Prüfen Sie, ob es Sperrfristen oder Auszahlungslimits gibt.
Außerdem ist es ratsam, für Lending keine Mittel einzusetzen, deren Verlust Sie nur schwer verkraften könnten.
Fazit
Crypto-Lending-Plattformen bieten zwei nützliche Möglichkeiten: Zugang zu Liquidität, ohne Kryptowährungen verkaufen zu müssen, und die Chance, Rendite auf Vermögenswerte zu erzielen, die sonst ungenutzt bleiben würden. Gleichzeitig bergen sie Risiken, die sich von denen klassischer Geldanlagen unterscheiden, von der Liquidation der Sicherheiten bis zur Insolvenz der Plattform oder einem Fehler im Code.
Der regulatorische Rahmen in der EU befindet sich noch in der Entwicklung. Deshalb ist es derzeit besonders wichtig, selbst zu prüfen, wie eine Plattform funktioniert, wer die Vermögenswerte verwahrt und woher die Rendite stammt. Diese Grundlagen zu verstehen, ist der beste Ausgangspunkt für eine fundierte Entscheidung.
Hinweis: Bitcoin Store ist kein Finanzberatungsunternehmen und nicht berechtigt, Anlage- oder Finanzberatung anzubieten. Meinungen, Analysen und sonstige Inhalte auf unserer Website dienen ausschließlich Informationszwecken und dürfen nicht als Grundlage für Anlageentscheidungen betrachtet werden. Der Handel mit Kryptowährungen ist spekulativ, und die Kurse können stark schwanken, was zum Verlust des investierten Kapitals führen kann. Bevor Sie in Kryptowährungen investieren, sollten Sie unbedingt unabhängigen Rat einholen und sich gründlich mit den Risiken vertraut machen, die mit dieser Art von Finanzinstrument verbunden sind.
