Glamsterdam: das neue Ethereum-Upgrade
Am 6. Oktober 2026 hat Ethereum das Glamsterdam-Upgrade im Sepolia-Testnet aktiviert. Wir geben einen Überblick über die wichtigsten Änderungen, von ePBS und paralleler Transaktionsverarbeitung bis zur größeren Blockkapazität, und klären, ob ETH-Besitzer etwas unternehmen müssen.
Inhaltsverzeichnis:
Am 6. Oktober 2026 hat Ethereum das Glamsterdam-Upgrade im Sepolia-Testnet aktiviert.
Es handelt sich um den nächsten großen Hard Fork des Netzwerks, der verändert, wie Blöcke erstellt, verifiziert und bepreist werden. Im Hauptnetz (Mainnet) ist Glamsterdam noch nicht aktiviert, und ein Termin wurde bisher nicht offiziell bestätigt.
Im Folgenden erklären wir, was Glamsterdam mit sich bringt, warum es für die Skalierbarkeit von Ethereum wichtig ist und ob ETH-Besitzer etwas unternehmen müssen.
Was ist Glamsterdam und woher kommt der Name?
Glamsterdam ist das nächste große Upgrade von Ethereum nach Fusaka, das im Dezember 2025 im Mainnet aktiviert wurde.
Der Name verbindet die Bezeichnungen zweier gleichzeitig aktivierter Upgrades: Amsterdam für die Ausführungsebene (Execution Layer), benannt nach einem früheren Austragungsort der Devcon-Konferenz, und Gloas für die Konsensebene (Consensus Layer), benannt nach einem Stern.
Es handelt sich um einen Hard Fork, also eine Änderung der Protokollregeln, die alle Nodes zum selben Zeitpunkt übernehmen müssen. Ein Node, der seine Software nicht aktualisiert, folgt der Hauptkette von Ethereum nicht mehr.
Anders als einige frühere Upgrades bringt Glamsterdam keine sichtbaren Änderungen für Endnutzer. Der Schwerpunkt liegt auf der strukturellen Skalierung von Layer 1: wie Blöcke erstellt, verbreitet und verarbeitet werden.
Die wichtigsten Änderungen durch Glamsterdam
Glamsterdam besteht aus einer Reihe von Verbesserungsvorschlägen für Ethereum (Ethereum Improvement Proposals, EIPs), von denen sich 15 auf die Ausführungsebene beziehen. Drei Änderungen sind für das Verständnis des Upgrades am wichtigsten.
Enshrined Proposer-Builder Separation (ePBS, EIP-7732)
Auf Ethereum wird ein Block heute meist von einem spezialisierten Builder zusammengestellt. Der Validator, der ihn dem Netzwerk vorschlägt (Proposer), erhält ihn über externe Vermittler, sogenannte Relays. Diese Vereinbarung findet außerhalb des Protokolls selbst statt.
ePBS verankert diese Trennung direkt in den Protokollregeln. Die Verpflichtungen des Builders, die Veröffentlichung des Blockinhalts und die Zahlung an den Proposer werden Teil des Konsensprozesses. Zudem wird die Konsensprüfung von der Ausführungsprüfung getrennt, sodass Validatoren mehr Zeit haben, den Blockinhalt zu prüfen.
Block-Level Access Lists (BAL, EIP-7928)
Block-Level Access Lists sind Listen, die im Voraus festhalten, auf welche Konten und Daten die Transaktionen in einem Block zugreifen. Wenn ein Node weiß, was jede Transaktion berührt, kann er mehrere Transaktionen parallel statt nacheinander verarbeiten. Dieselbe Änderung soll auch die Synchronisierung neuer Nodes mit dem Netzwerk beschleunigen.
Größere Blockkapazität und neue Gas-Regeln
Gas ist die Einheit, mit der die Rechenarbeit auf Ethereum gemessen wird, und das Gas-Limit bestimmt, wie viel dieser Arbeit in einen einzelnen Block passt.
Die Ethereum Foundation hat ein Ziel von 200 Millionen Gas pro Block nach Glamsterdam festgelegt. Im Sepolia-Testnet können sich Validatoren für Blöcke mit bis zu 200 Millionen Gas entscheiden, mehr als dreimal so viel wie die bisherigen 60 Millionen in diesem Netzwerk. Dabei handelt es sich um einen Testwert, nicht um einen endgültigen Wert.
Das endgültige Gas-Limit für das Mainnet wird erst nach den Tests festgelegt. Parallel dazu passen mehrere EIPs die Gaskosten von Operationen an, damit diese die tatsächliche Netzwerklast besser widerspiegeln, insbesondere beim Erstellen und Lesen von Zustandsdaten (State). Ziel ist es, ein zu schnelles Wachstum des Netzwerkzustands zu verhindern, wenn die Blöcke größer werden.
Eine größere Blockkapazität kann in Zeiten hoher Nachfrage niedrigere Gebühren bedeuten, die konkrete Auswirkung auf die Gebühren hängt jedoch davon ab, welches Gas-Limit im Mainnet gelten wird.
Was Glamsterdam für ETH-Besitzer bedeutet
ETH-Besitzer müssen nichts unternehmen. Das Upgrade wird von Node-Betreibern und Validatoren durchgeführt, die ihre Software sowohl für die Ausführungs- als auch für die Konsensebene aktualisieren müssen. Deine ETH bleiben unter derselben Adresse und verändern sich nicht.
Der Test im Sepolia-Testnet hat keine Auswirkungen auf das Mainnet. Token in Testnets haben keinen realen Wert und dienen ausschließlich Entwicklern zum Testen von Änderungen.
Gerade weil das Upgrade keine Handlung von Nutzern erfordert, solltest du bei Nachrichten, die etwas anderes behaupten, vorsichtig sein. Große Upgrades ziehen häufig Betrüger an: Wenn dich jemand auffordert, deine ETH wegen Glamsterdam zu „aktualisieren“, zu „migrieren“ oder zu „tauschen“, handelt es sich um Betrug. Gib niemals deine Seed-Phrase weiter und sende keine Kryptowerte an Adressen, die dir jemand unter dem Vorwand des Upgrades anbietet.
Welche Auswirkungen Glamsterdam auf den ETH-Preis haben wird, lässt sich nicht vorhersagen. Technische Verbesserungen garantieren keine Preisänderung, denn der Preis hängt von einer Vielzahl von Marktfaktoren ab.
Wann kommt Glamsterdam ins Mainnet?
Ein genaues Datum für die Aktivierung im Mainnet wurde noch nicht bekannt gegeben. Ethereum.org nennt derzeit das vierte Quartal 2026, mit dem Hinweis, dass der Termin nicht bestätigt ist. Einige Medien sprechen von Oktober, eine offizielle Bestätigung gibt es bislang jedoch nicht.
Der Weg ins Mainnet sieht folgendermaßen aus:
- Ursprünglich war Juni 2026 geplant, doch der Start wurde verschoben, um den Entwicklerteams mehr Zeit für Tests zu geben.
- Im August 2026 wurde das temporäre öffentliche Testnet Platåberget gestartet, das für frühe Tests von Glamsterdam gedacht ist.
- Im Oktober 2026 wurde Glamsterdam im Sepolia-Testnet aktiviert.
- Verläuft der Test auf Sepolia nach Plan, ist der nächste Schritt das Hoodi-Testnet. Ein Termin dafür steht noch nicht fest.
- Das Datum für das Mainnet werden die Entwickler erst nach erfolgreichen Tests bekannt geben.
Parallel zu den Tests hat die Ethereum Foundation ihr Bug-Bounty-Programm auf die Spezifikationen und EIPs von Glamsterdam ausgeweitet. Nach Glamsterdam steht das Upgrade Hegotá an, das für 2027 geplant ist.
Glamsterdam ist eines der umfangreichsten Ethereum-Upgrades seit dem Wechsel zu Proof-of-Stake. Das im Protokoll verankerte ePBS, die parallele Verarbeitung von Transaktionen und die größere Blockkapazität sollen es Layer 1 ermöglichen, mehr Transaktionen zu verarbeiten, ohne Sicherheit und Dezentralisierung zu beeinträchtigen. Der Test im Sepolia-Testnet ist nur einer der Schritte auf dem Weg ins Mainnet.
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