Warum testen Banken XRP?
Die meisten Banken, die mit Ripple in Verbindung gebracht werden, nutzen gar nicht XRP, sondern nur dessen Zahlungsnachrichtennetzwerk. Erfahren Sie den Unterschied zwischen RippleNet und XRP, wer die Liquidität über XRP wirklich testet und warum die institutionelle Einführung langsam verläuft.
Inhaltsverzeichnis:
Immer mehr Banken und Finanzinstitute weltweit testen XRP und die Infrastruktur des Unternehmens Ripple. Doch die Geschichte ist vielschichtiger, als es die Schlagzeilen vermuten lassen.
Die überwiegende Mehrheit dieser Institutionen nutzt tatsächlich nicht XRP als Kryptowährung, sondern lediglich die Technologie von Ripple zum Austausch von Zahlungsnachrichten. Das Verständnis dieses Unterschieds ist entscheidend, um zu begreifen, was hinter den Kulissen wirklich geschieht.
RippleNet ist nicht dasselbe wie XRP
Ripple ist ein Unternehmen, das Banken zwei separate Produkte anbietet:
- RippleNet: ein Netzwerk zum Austausch von Zahlungsnachrichten, vergleichbar mit einer moderneren und schnelleren Version des SWIFT-Systems. Banken nutzen es für schnellere und transparentere grenzüberschreitende Zahlungen, ohne dabei jemals XRP zu berühren.
- On-Demand Liquidity (ODL): ein Produkt, das XRP tatsächlich als Brückenwährung nutzt, um eine Währung sofort in eine andere umzuwandeln und dabei traditionelle Korrespondenzbankkonten zu umgehen.
Banken, die als „RippleNet-Nutzer" bezeichnet werden, verwenden meist nur das erste Produkt. Santander etwa hat öffentlich bestätigt, die Technologie von Ripple für seine internationale Zahlungs-App zu nutzen, jedoch nicht XRP, mit der Begründung unzureichender Liquidität des Tokens in den benötigten Märkten.
Warum Banken überhaupt XRP testen
Die Gründe, warum Banken Pilotprojekte mit XRP starten, lassen sich im Wesentlichen auf drei Punkte zurückführen:
- Abwicklungsgeschwindigkeit: Transaktionen über das XRP Ledger werden in Sekunden abgewickelt, statt in Tagen, wie es bei einer klassischen grenzüberschreitenden Zahlung der Fall sein kann.
- Niedrigere Liquiditätskosten: Das Korrespondenzbankwesen erfordert, dass Banken „Nostro"-Konten in mehreren Währungen weltweit vorhalten. Das ODL-Modell ermöglicht eine sofortige Umwandlung, ohne Kapital zu binden.
- Transparenz und Nachverfolgbarkeit: Transaktionen auf einem öffentlichen Ledger lassen sich in Echtzeit leichter verfolgen und prüfen, was für regulierte Institutionen besonders attraktiv ist.
Wer wirklich XRP testet oder nutzt
Anders als bei den langen Listen von „über 300 Institutionen", die online kursieren (eine Zahl, die vor allem Netzwerkverbindungen im RippleNet zählt, nicht tatsächliche XRP-Nutzer), konzentriert sich die reale Anwendung von ODL und XRP auf eine kleinere Anzahl von Akteuren:
- SBI Remit (Japan) und Tranglo (Malaysia) verfügen über bestätigte, aktive Kundenkorridore, die XRP für Liquidität bei grenzüberschreitenden Überweisungen nutzen.
- Standard Chartered hat ODL für Korridore in Schwellenländern getestet, wo die Abwicklungskosten traditionell höher sind.
- PNC Bank und Bank of America in den USA untersuchen die Technologie von Ripple im Rahmen von Pilotprogrammen, doch eine öffentlich bestätigte, umfangreiche kommerzielle Nutzung von XRP wurde bislang nicht angekündigt.
- SG-FORGE, die digitale Tochtergesellschaft von Société Générale, hat 2026 einen Euro-Stablecoin auf dem XRP Ledger eingeführt, wobei der Verwahrservice von Ripple für die Reserven genutzt wird – ein Beispiel dafür, wie eine große europäische Bank ein reguliertes Token auf der Infrastruktur von Ripple ausgibt, ohne dabei zwangsläufig XRP selbst als Währung zu verwenden.
- Aviva Investors hat die Absicht angekündigt, Investmentfonds auf dem XRP Ledger zu tokenisieren, was eine Ausweitung des Interesses über Zahlungen hinaus auf die Vermögensverwaltung markiert.
Warum die Skalierung langsam verläuft
Die institutionelle Einführung von Kryptowerten ist traditionell ein langsamer Prozess. Banken testen zunächst kleinere Korridore, durchlaufen umfangreiche regulatorische und Compliance-Prüfungen, und erst nach Monaten (oder Jahren) der Überprüfung entscheiden sie sich für eine breitere Einführung.
Das bedeutet, dass trotz einer wachsenden Zahl an Ankündigungen von „Partnerschaften" mit Ripple die tatsächliche Nutzung von XRP zur Abwicklung von Transaktionen auf einen engen Kreis von Institutionen beschränkt bleibt, die diesen gesamten Prozess durchlaufen haben.
Wo XRP tatsächlich steht
Banken testen XRP nicht, weil sie auf dessen Kurs spekulieren wollen, sondern weil die dahinterliegende Technologie, schnelle Abwicklung, geringerer Bedarf an gebundenem Kapital und Transparenz, ein reales, kostspieliges Problem im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr löst.
Wichtig ist jedoch, Banken, die XRP tatsächlich als Liquiditätsbrücke nutzen, von jenen zu unterscheiden, die lediglich zu Zwecken des Nachrichtenaustauschs mit RippleNet verbunden sind. Da regulatorische Rahmenwerke wie MiCA in der Europäischen Union für mehr Klarheit sorgen, wird erwartet, dass die Zahl der Institutionen, die bereit sind, von der Pilotphase zur tatsächlichen Anwendung überzugehen, zunehmen wird.
